OOH-Magazin Ausgabe 1 - 2023

Das wäre eine Möglichkeit, Kommunikation zwischen den Säulen und dem Katastrophenschutz herzustellen. Denn natürlich muss irgendjemand der Säule im Krisenfall sagen, was sie darstellen soll. Ich würde übrigens dieses Display nicht nur für den Krisenfall vorsehen, sondern es könnte auch dem eigentlichen Zwecke der Säule dienlich sein: der Werbung. Man könnte beispielsweise klassische Plakate auf der Säule um aktuelle Daten und Informationen ergänzen, zum Beispiel bei plakatierten Konzerten und Tourneen. Idealerweise schafftman etwas, das auch imNormalbetrieb eine Funktion hat und nicht allein für die Krise vorgehalten wird. Das würde auch die Finanzierung erleichtern. Sie haben die digitalen Screens bereits erwähnt, und daneben gibt es etwa 240.000 weitere OOH-Medien im öffentlichen Raum. Haben Sie sich auch deren Eignung zur Unterstützung einer Kriseninfrastruktur angeschaut? SCHULZE: Bei allen anderen Medien geht ein wesentlicher Vorteil verloren, nämlich der hohle Innenraum. Die klassische Litfaßsäule ist für unsere Bedürfnisse wirklich ideal. Davon war ich selbst überrascht. Ich habe das Konzept auch bei einer Tagung des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) vorgestellt, und das kam wirklich gut an. Man kann es nicht oft genug sagen: Die Litfaßsäule ist ein integraler Bestandteil des Stadtraums. Sie ist einfach. Und sie genießt eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung. Damit haben wir schon einige Hemmnisse weniger, wenn wir in die Krisenprävention investieren. Mal angenommen, Sie stellen eine neuartige Infrastruktur in den Stadtraum, die den Bewohnern fremd ist und die sie ablehnen, dann haben sie Probleme mit der Akzeptanz und schlussendlich auch mit der Finanzierung. Deswegen ist es ein großer Vorteil, auf eine bestehende Infrastruktur aufbauen zu können und diese weiterzudenken. So weit die Theorie. Wie steht es mit der Praxis, was sind Ihre nächsten Schritte Richtung Realisierung? SCHULZE: Wir im „emergenCITY“-Team werden in den nächsten Wochen und Monaten den Bau eines Prototyps vorbereiten. Die Technik sollte so einfach wie möglich sein, Technik, von der man weiß, dass sie zuverlässig funktioniert. Dann müssen ein paar grundsätzliche Dinge bilanziert werden, wie etwa die Energiegewinnung durch die Photovoltaik-Fläche oder die Kapazität der Batterie. Die Krümmung des Displays wird mit Sicherheit eine Herausforderung, aber ich gehe davon aus, dass es technisch möglich ist. Dieser Aspekt ist aber in Hinblick auf die Integration der Technik und das Erscheinungsbild der Säule wichtig. Ein eckiges Display würde einen ziemlichen Bruch bedeuten, immerhin gehört die runde Formgebung zur DNA der Litfaßsäule. Aber ansonsten sollte nach Möglichkeit bestehende Technologie verbaut werden. Special Effects mit autarker Stromversorgung Die neue Eventsäule der Progress Werbung, Salzburg, verleiht dem OOH-Klassiker Litfaßsäule modernste technische Features und zugleich große Flexibilität. Denn eine in die Säule integrierte Powerbank macht das innovative Medium unabhängig von einer externen Stromzufuhr. Damit kann der Drehteller im Inneren zur Präsentation von beispielsweise Produkten oder Outfits ebenso betrieben werden wie verschiedene Beleuchtungsarten. Erlaubt ist, was gefällt und imSäulenkörper installiert werden kann. Dank der autarken Energieversorgung ist die Eventsäule an jedem passenden Standort einsatzbereit. Zum Beispiel vor der Eisarena im Salzburger Volksgarten zum „Wings for Life“-Spieltag der Red Bull Eishockey League. Hier ergänzte die Säule eine Social Media-Aktion von Red Bull, als Aktivierungstool in der realen Welt. Für hohe Aufmerksamkeit sorgte eine lebensgroße Figur des StarSpielers Thomas Raffl, die hinter der Plexiglastür zu sehen war. Weitere „Special Effects“ kamen dazu von einer Nebelmaschine. Mit einer Leistung von 2,1 kWh ermöglicht die Powerbank 24 Stunden Dauerbetrieb der Eventsäule. Der Akku liefert eine gleichbleibende Leistung von 3.600 Watt und schafft sogar Spitzenleistungen von 18.000Watt. Auch an die Umwelt wurde bei der Entwicklung der technischen Ausstattung gedacht: Die Geräuschemission der Powerbank liegt bei fast bei null, ihr Gehäuse besteht aus recyceltem Aluminium. Die Technik sollte so einfach wie möglich sein. 19 OOH!–Fokus

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